Expertentest: Edelrid PINCH – Das stärkste System-Upgrade für den Gurt?

Mit dem Edelrid PINCH hat die Isnyer Innovativ-Schmiede ein Sicherungsgerät auf den Markt gebracht, das eines der ältesten Dogmen des Sportkletterns aufbricht: den zwingenden Einsatz eines Verschlusskarabiners an der Anseilschlinge. Als manuell unterstützter Halbautomat (Sicherungsgerät mit blockierunterstützendem Exzenter) geht das PINCH eigene Wege in Sachen Ergonomie, Vielseitigkeit und Systemintegration.

In diesem Deep-Dive beleuchten wir die Mechanik, das Handling im High-End-Segment sowie das Abschneiden in unabhängigen Belastungstests.

1. Ergonomie & Mechanik: Karabinerlos direkt am Gurt

Das auffälligste Alleinstellungsmerkmal des PINCH ist der integrierte Gurt-Koppelmechanismus. Über zwei Rastnasen und einen Sicherungsschalter wird das Gerät direkt in die Anseilschlinge eingehängt.

Was bedeutet das für die Praxis?

  • Tieferer Anlenkpunkt: Das PINCH sitzt extrem nah am Körperschwerpunkt. Beim Seilausgeben mit der Tubermethode verringert sich der Weg der Bremswand, was zu spürbar mehr Kontrolle führt.
  • Keine Querbelastung: Verdrehte Karabiner, Querbelastungen am Schnapper oder Verkippen bei Zug nach oben gehören der Vergangenheit an.
  • Flexible Nutzung: Wer das Gerät bevorzugt klassisch nutzen möchte (z. B. an Standplätzen im alpinen Bereich oder am Fixpunkt), kann das PINCH nach wie vor mit einem regulären HMS- oder D-Karten-Karabiner betreiben.

Integrierte Stahl-Bremsrille & Anti-Panik

Ein Schwachpunkt vieler Leicht-Geräte ist der Abrieb durch Schmutz und feinen Sand an den Reibungsflächen. Edelrid setzt an der entscheidenden Einlaufzone einen auswechselbaren Edelstahl-Laufschuh ein, der Einkerbungen verhindert.

Der Ablasshebel verfügt zudem über eine deaktivierbare Anti-Panik-Funktion: Zieht der Sichernde in einer Schrecksekunde das System voll auf, blockiert der Exzenter sofort wieder. Für erfahrene Kletterer, die ein extrem feines Feedback beim Ablassen leichterer Personen oder dickem Seil suchen, lässt sich die Anti-Panik-Funktion mittels einer mitgelieferten Madenschraube dauerhaft deaktivieren.

2. Das PINCH im Experten-Handling

Vorstiegssichern & Seilausgeben

Durch die Geometrie der Klemmnocke ist der Kraftaufwand beim Ausgeben nach der Tuber-Methode sehr gering. Die Notwendigkeit der klassischen „Gasklemm-Methode“ entfällt fast vollständig, solange der Durchmesser nicht die Obergrenze des Spektrums tangiert. Bei sehr steifen, dicken Hallenseilen (>9,8 mm) fordert der schmale Seilkanal jedoch spürbar mehr Handkraft.

Projektieren & Blockieren

Sobald Zug auf das Lastseil kommt, kippt die Exzenternocke blitzschnell ab. Im Vergleich zum Petzl NEOX gibt es beim PINCH kein verzögertes Ansprechen bei sanftem Hineinsetzen im Toprope.

3. Vergleichstabelle: Halbautomaten & Autotuber im Vergleich

ModellHerstellerPrinzip / TypPreis (UVP)GewichtSeildurchmesser (Min.–Max.)Besondere Features
PINCHEdelridHalbautomat (Exzenter)~100 €234 g8,5 – 10,5 mmDirekt-Fixierung ohne Karabiner, schaltbare Anti-Panik
GriGriPetzlHalbautomat (Exzenter)~85 €175 g8,5 – 11,0 mmDer unangefochtene Industrie-Standard
GriGri+PetzlHalbautomat (Exzenter)~115 €200 g8,5 – 11,0 mmAnti-Panik-Funktion, Toprope-Modus
NEOXPetzlHalbautomat (Rolle)~130 €235 g8,5 – 11,0 mmIntegrierte Rolle für reibungsfreies Ausgeben
RevoWild CountryHalbautomat (Zentrifugal)~140 €245 g8,5 – 11,0 mmNotfall-Sperre unabhängig von Seilführung
Smart 2.0MammutAutotuber (Geometrisch)~40 €80 g8,7 – 10,5 mmSehr leicht, rein mechanische Blockierung

4. Wie schlägt sich das PINCH im Labor? (HowNOT2 & Testaufbauten)

Sicherheitsrelevante Bauteile müssen sich im Extrembereich beweisen. Ryan Jenks und sein Team vom bekannten YouTube-Kanal HowNOT2 unterziehen Kletterausrüstung rigorosen Zerstörungs- und Belastungstests auf dem Prüfstand (Zugtests in Kilonewton / kN sowie Kraftverlaufsmessungen bei Sturzszenarien).

In den unabhängigen Materialtests von HowNOT2 wurde das PINCH unter statischer Maximallast geprüft. Frühe Pre-Production-Muster wiesen bei sehr hohen Querbelastungen am Stoppknoten-Grenzbereich Verformungen um 8 kN auf – woraufhin Edelrid die finale Serie vor dem Verkaufsstart auf den Normstandard zertifizierte und nochmals verstärkte (getestet nach EN 15151-1 sowie für Seilzugangstechniken nach EN 12841-C).

Für den harten Kletteralltag (wo Realstürze selten 4 bis 6 kN am Anker überschreiten) bescheinigen Feldversuche und physikalische Belastungstests dem Gerät eine herausragende Festigkeit und Klemmsicherheit.

5. Fazit für Profis und alpine Vielflieger

Das Edelrid PINCH ist weit mehr als nur eine GriGri-Alternative. Die direkte Einbindung an die Anseilschlinge verkürzt das Gesamtsystem, eliminiert störendes Karabiner-Verdrehen und macht das Seilhandling im Vorstieg extrem geschmeidig. Einziger Wehmutstropfen: Mit 234 g ist es kein Leichtgewicht. Wer jedoch ein modernes Arbeitsgerät für schwere Sportkletter-Projekte oder den Mehrseillängeneinsatz sucht, findet im PINCH eine der vielseitigsten Innovationen der letzten Jahre.

Wer genauer sehen möchte, wie sich das PINCH in physikalischen Messreihen schlägt, findet bei HowNOT2 – Break Testing Edelrid PINCH detaillierte Testaufbauten zu Kräften, Haltekräften und der Performance moderner Halbautomaten unter Spitzenlast.

Dieses YouTube-Video von HowNOT2 bietet fundierte messtechnische Tests zu Haltekräften und Festigkeitswerten moderner Sicherungsgeräte wie dem Edelrid PINCH unter extremen Testbedingungen.

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